Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Oder: Was hat ein Blog mit Neuanfang zu tun?

Ich bin verzaubert von Neuanfängen. Und zur Zeit sehe ich Neuanfänge, wo ich hingucke. Die Natur beginnt einen neuen Zyklus, es grünt und blüht, ein Rotkehlchen nistet ausgerechnet in der Garage, sodass wir das Tor offen lassen- es ist Frühling. Nach Wochen der Corona Beschränkungen tasten wir uns in das „next normal“, das nächste oder auch „neue Normal“ voran. Die kleine Tochter meiner Freunde hat gerade das Prinzip rückwärts entdeckt. Mit Freude läuft Charlotte auf ihren kleinen Füssen rückwärts und auch auf ihrem Bobby Car fährt sie jetzt grundsätzlich rückwärts durch die Wohnung. Sie ist begeistert von ihrer Entdeckung.

Der Zauber von Neuanfängen:  Ich gehöre zu denen, die lieber etwas neu anfangen, als eine angefangen Sache fortzusetzen oder abzuschließen.

Mein Hirn macht Freudensprünge, wenn es um ein neues Thema geht und fokussiert dann alle Energie darauf. Es ist wohl der Zauber der Anfangs, von dem Hermann Hesse schon in seinem Gedicht „Stufen“ geschrieben hat. Wer von Euch das Gedicht nicht kennt, ich habe es unten an den Text gehängt.

In der Lebensmitte wimmelt es von Neuanfängen. Von freiwilligen und welchen, denen man nicht ausweichen kann. Von leisen Anfängen, die man erst gar nicht als solche wahrnimmt und erst im Nachhinein feststellt, dass eine bestimmte Zeit X wohl der Beginn etwas Neuen war. Und dann gibt es die bewussten Neuanfänge, die wir uns suchen, zu denen wir uns entscheiden oder vor die wir gestellt werden. Etwa der Jobwechsel, die Ankündigung unseres Partners, dass er sich trennen will oder die Entscheidung der Firma bestimmte Aufgaben oder Jobs an einen anderen Standort zu verlegen.

Allerdings – es zerstäubt sich oftmals der Zauber des Neuanfangs so schnell, wie er gekommen ist.

Es wird schnell deutlich, dass ich, um mit dem Neuen anzufangen, tatsächlich aus meiner Komfortzone dessen was ich gewohnt bin raus muss. Ich muss Dinge neu lernen. Und was manchmal noch schwerer ist: Dinge „entlernen“. Das heißt, gewohnte Denkweisen oder Prozesse ablegen und mir neue Denkweisen oder Abläufe zu Eigen machen. Das kann ganz schön schwer sein, kostet Energie und führt zu Zweifeln, ob ich es überhaupt schaffe. Frustration und das „ich habe gar keinen Bock zu diesem Aufwand“ Gefühl kann da ganz schnell kommen!

Inzwischen weiß ich aus anderen Neuanfängen, das diese Gefühle  „Wachstumsschmerzen“ sind. Es lohnt sich dranzubleiben. So ist es auch mit diesem neuen Blog von mir. Die Resonanz auf mein Buch bei Rowohlt „Worauf wartest Du noch?“ war so ermutigend und so wunderbar positiv, sodass ich schon lange die Idee hatte, Themen um die beruflichen Veränderungen in der Lebensmitte aufzuschreiben und wöchentlich mit Euch zu teilen. Zudem bin ich oft gefragt worden, ob ich auch Seminare gebe zum Thema „berufliche Entwicklung der Lebensmitte“. Ich habe drauf rumgedacht, bin aber nicht aktiv geworden.

Und immer kam das Leben dazwischen. Kundenaufträge, Projekte, Büroarbeit, ich musste und wollte mich um die ältere und die jüngere Generation meiner Familie kümmern, Haus und Hof- Ihr kennt das.

Inzwischen hat sich die Idee einen Blog zu schreiben und Onlinekurse zu machen in ein Projekt verwandelt. In den letzten Wochen lerne ich neu, ich setze mich mit Technik auseinander, muss meine Website umzubauen, führe intensive Vorgespräche mit „Midlifern“, wie ich sie zärtlich nenne. Also Menschen zwischen 38 und 58 Jahren. Ich möchte einen Online Kurs bauen, der all die weiterbringt, die schon lange über ihre berufliche Veränderung in der Lebensmitte nachdenken. 

In ein paar Monaten ist es so weit, da bin ich mir inzwischen sicher. Ich freue mich inzwischen auf den Weg bis zum Starttermin. Ich sehe jetzt schon: Es geht ums lernen, entlernen, um das neugierig bleiben und ja, auch darum Frustrationstoleranz zu üben.

Du stehst auch am Anfang der Idee beruflich etwas zu verändern?

Diese fünf Gedanken haben mir geholfen:

  1. Entscheide Dich. Ich habe beschlossen, aus meiner Idee ein Projekt zu machen. Das ist wirklich eine Frage der Entscheidung. Dazu gehört auch, sich jeden Tag dafür Zeit zu nehmen. Dadurch kommt man ins Erforschen, Ausprobieren und Handeln. Es wird endlich konkret und erste Ergebnisse zeigen sich. Das motiviert zusätzlich.
  2. Erlaube Dir Anfänger zu sein. Ich mach mir bewusst, dass ich wieder als Anfänger da stehe und es ok ist, 1000 Fragen zu haben. Ich gehe den Fragen nach, recherchiere, taste mich ran, spreche mit anderen, die ähnliches vorhaben.
  3. Hol Dir Hilfe. Ich habe tatsächlich einen Onlinekurs belegt, wie man einen Onlinekurs macht. Das ist eine Investition, aber ein echter Katalysator für meinen Onlinekurs, den ich MIDLIFECAREERS.de nennen werde.
  4. Erinnere Dich an bisherige Erfolge: Ich erinnere mich daran, dass ich aus anderen Ideen schon Projekte und Ergebnisse gemacht habe. Bevor ich ein Buch geschrieben habe, wusste ich auch nicht wie das geht. Mich zu erinnern, dass ich schon oft als Anfänger dagestanden habe,  gibt mir Kraft. Schließlich wird niemand von uns mit Abitur, Studienabschluss oder Fremdsprachen-kenntnissen geboren. Es ist alles in kleinen Schritten entstanden. Das gibt mir Kraft und Schwung, das jetzt auch mit meinen Onlinekursen so zu halten.
  5. Engagiere Dich für Dich selbst. Frag Dich, ob Du Dein Thema ein „Hätte Thema“ werden könnte. Wenn Du in 5 Jahren denkst „Hätte ich mal den Job gewechselt“, „Hätte ich mal mit der Weiterbildung angefangen“ oder  „Hätte ich mal meine Idee verfolgt“. Das sind die bedauernden Gedanken, die es jetzt zu vermeiden gilt. Wenn Du spürst dass Du ein „Hätte Thema“ am Wickel hast, dann gib Gas und engagiere Dich für Dich selber.

Vielleicht hast Du ja Lust regelmäßig von mir zu hören und Gedankenanstöße, Tipps und Erfahrungen zur beruflichen Lebensmitte zu hören.

Wenn Du magst, dann hinterlasse Deine E-Mail Adresse hier rechts. Dann bekommst Du alle neuen Blogartikel und News zu den Online Kursen direkt von mir. Als Dankeschön bekommst Du (kostenlos) den Selbsttest „Reality Check“ Der Test ist ein guter Anfang, um aus einem diffusen Gefühl einen Aufbruch und Neuanfang zu machen. Trau Dich!

Herzlich,

Antje Gardyan

STUFEN
Von Hermann Hesse

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

4.5.1941
Aus Hermann Hesse, sämtliche Gedichte in einem Band.Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1995

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2 Gedanken zu „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“

  1. Liebe Antje, ich mag die Art sehr, wie du die Themen aufbereitest. Bei deinen persönlichen Geschichten habe ich das Gefühl, da plaudert meine Freundin oder Nachbarin. Ich fühle mich wie Charlotte 😉 Tatsächlich habe ich gerade das Stand Up Paddeln angefangen und mag es, neu zu lernen. Deine konkreten Tipps sind dann ein freundliches „na dann mal los“. Konkret und klar. Danke. Eine tolle Mischung. Ich habe mich gleich für den Newsletter eingetragen und freue mich schon auf die Post.

    1. Liebe Simone, herzlichen Dank für Dein schönes Feedback! Dann freue ich mich, wenn wir uns öfter lesen! Viel Erfolg beim Stand-up paddeln, das versuche ich diesen Sommer vielleicht auch mal…. Herzlich, Antje

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